Kein berauschendes Eishockey sahen die wenigen zugelassenen Zuschauer am Samstag in Frankfurt und Sonntag in Bad Nauheim zu den beiden Hessenderbys in der DNL - Division III Nord. In beiden Spielen siegte der Gast, die Roten Teufel mit 5:2 in Frankfurt und die Löwen mit 4:3 in Bad Nauheim. Frankfurt behielt dadurch den wichtigen „Mindestabstand“ zum in der Tabelle vier Zähler dahinter liegenden Wetterauer Ligakonkurrenten.

Die Vorzeichen standen gut – Derbystimmung auf der Außenfläche der Frankfurter Eissporthalle am Samstag. Es war angerichtet. Und dann kam – wenig. Wobei die Gäste aus dem „Norden“ nach zwei Minuten bereits in Führung gingen und in der 7. Spielminute sogar auf 2:0 erhöhten. Kein Problem – wir sind Löwen und bäumen uns auf. Anschlusstreffer durch Alex Wagner auf Zuspiel von Jonas Muthig zum 1:2 in der 13. Minute. Pause. Und jetzt Attacke!

Attacke? Nein, es kam weiterhin wenig. Bad Nauheim legte noch einmal nach und ging mit einer 1:3 Führung in die zweite Drittelpause. Aber jetzt, Attacke! Und immerhin: Jonas Hochmüller nutzte eine der wenigen schönen Kombinationen mit David Kindereit und Niclas Kaus aus dem eigenen Drittel heraus zum Anschlusstreffer in der 46. Minute. Doch mehr kam dann nicht. Die Gäste legten im Gegenteil noch zweimal nach und der schöne Samstagabend war für die Löwen gelaufen.

Endstand 2:5 – nicht unverdient. Auch Torhüter Marius Block war bedient, der mit Ausnahme eines nicht mehr spielentscheidenden Gegentores den Kasten sehr gut hütete. Die Löwen fanden einfach nie in ihr Spiel, machten viel zu viele Fehler im Aufbau, spielten viel zu wenig zusammen und ihre gar nicht so wenigen Chancen wurden entweder durch den ausgezeichneten Bad Nauheimer Neuzugang im Tor zunichte gemacht, oder es wurde dem Torhüter auf den Bauchnabel geschossen oder aber die Abschlüsse wurden schlicht anderweitig vergeigt. Trainer Jan Barta schob Frust und machte seinem Ärger nach Spielschluss in der Kabine Luft. Das klang nach voller Attacke für den Sonntag!

Sonntag – Bad Nauheim – 4 Grad plus. Immerhin. Die Vorzeichen standen nicht wirklich gut, aber die Kabinenansprache war den Jungs noch in den Ohren, also sollte heute doch was gehen. Es war angerichtet. Und dann kam – wieder wenig. Wieder ging Bad Nauheim in Führung, aber – und das war der erste Unterschied – im Gegensatz zu Samstag musste der wiederum erstklassig aufgelegte Nauheimer Keeper kurz vor Ende des ersten Drittels bei einem Zauberschuss von Jonathan Lorei vom Bullykreis nach Bullygewinn durch Florian Fichtner hinter sich greifen. 1:1 zur ersten Drittelpause.

Und jetzt Attacke? Äh, nein. Stattdessen neuerlicher Rückstand. Erst 1:2, dann 1:3. Was für ein Käse. Sechs Punkte am Wochenende futsch, darauf hätte man zu dieser Zeit glatt einen Zehner verwettet. Doch erneut gab es kurz vor Drittelende einen Treffer, diesmal kam Ruben Weitzer zum Zuge und nutzte Vorlagen von Jonas Muthig und Eric Motisan. Nur noch 3:2 für die Gastgeber. Und irgendwie hatte man jetzt das Gefühl (Bauchgefühl!), dass vielleicht doch noch etwas gehen könnte. Vielleicht.

Attacke? Attacke! In Überzahl gelang gleich zu Beginn des letzten Spielabschnitts Jonas Hochmüller ein – zugegebenermaßen etwas hineingestochertes – Tor nach vorherigem Gestocher durch David Kindereit und Max Weber. Tor ist Tor, so lautet bekanntlich eine Sportlerweisheit. Überzahlstatistik aufgepäppelt und die Möglichkeit zum Sieg war wieder da. Und dann klingelte es am Frankfurter Torgestänge, dass sich die Holzbalken des Colonel-Knight-Stadions bogen. Extremes Glück für die Löwen bei diesem Nauheimer Angriff, dass die Roten Teufel nicht wieder in Führung gingen.

Im Gegenzug – das ist ja auch eine alte Sportlerweisheit – schlugen die Löwen zu. David Kindereit mit schönem, trockenem Schuss aus der Halbdistanz (wo immer die genau anfängt) nach Zuspiel von Jonas Hochmüller und Sebestyan Csata zur 4:3 Führung in der 51. Minute. Yes! Doch dann brauchten die Löwen wieder Klee und Schwein und alles zusammen, da nur wenige Sekunden nach der Führung die Scheibe zwischen Schoner von Goalie Jan Hak und der eigenen Torlinie liegenblieb und irgendwie noch begraben werden konnte. Kein Tor. Weiterhin 4:3 für die Löwen. Jan Hak war im Übrigen ein sicherer Rückhalt für das Team und lieferte eine gute Party ab.

Warum sich ein Frankfurter Spieler dann drei Minuten vor der Schlusssirene zu einem Foul im gegnerischen Drittel hinreißen ließ, und warum Bad Nauheim diese Gelegenheit nicht nutzte, volles Risiko mit Empty Net und sechs gegen vier Feldspieler in Überzahl zu gehen, wird sich dem Verfasser dieses Beitrages auch nach mehrfacher Reflektion der Szenen sicher nicht mehr erschließen. Egal. Die Nauheimer zogen ihren Goalie erst nach Ablauf der Überzahl, doch mit sechs gegen fünf Feldspielern brannte für die Löwen in der letzten Minute nichts mehr an.

Fazit: Kein gutes Eishockey beider Mannschaften. Immerhin war es für Derbyverhältnisse sehr fair – auch auf den arg dezimierten Rängen. Beide Mannschaften können letztlich dankbar sein, dass in diesen Zeiten überhaupt noch Eishockey gespielt werden kann. Frankfurt bleibt vier Zähler vor den Roten Teufeln im Mittelfeld der Tabelle. Am nächsten Wochenende stellt sich der Meisterschafts-Mitfavorit aus Erfurt in Frankfurt vor, da hängen die Trauben hoch. Sehr hoch.